Unsicher, wie Du als Autor Dein Drehbuch auf die anstehenden Dreharbeiten vorbereiten solltest? Wie Du Regisseur, Produktionsleiter oder Szenenbildner helfen kannst, in der Vorbereitung oder am Filmset kostbare Zeit zu sparen? Nicht alle Drehbuchautoren kennen sich mit den komplexen Abläufen einer Filmproduktion aus. Um Dir die Orientierung zu erleichtern, findest Du im Folgenden eine Checkliste mit den zehn wichtigsten Tipps, auf die Du Dein Drehbuch überprüfen solltest, bevor es an das Drehteam verteilt wird.

Auf eine saubere Szenenformatierung achten

Szenen sauber trennen

Eine Szene im Drehbuch definiert sich durch zeitliche und räumliche Geschlossenheit. Jeder Zeitsprung oder Ortswechsel bedingt eine neue Szene mit neuer Bildnummer und Überschrift. Manchmal ignorieren Autoren diese Prämisse aber zugunsten einer besseren Lesbarkeit, etwa bei einem Ortswechsel ohne Zeitsprung oder in Montagen. Tue das nicht!

Klare Anweisungen an das Drehteam

Das Drehteam muss jedes Set und jede Szene zweifelsfrei identifizieren, um die Dreharbeiten vorbereiten zu können. Die Kommissare gehen im Gespräch vom Wohnzimmer ins Schlafzimmer? Dann sollte das auch eine neue Szene sein – andernfalls weiß etwa das Szenenbild möglicherweise nicht, dass das Schafzimmer eingerichtet werden muss, und die Lichttechnik übersieht, den Raum auszuleuchten. Missachtet der Autor diese Regel, muss der Regieassistent alle Szenensprünge nachtragen, was zu Missverständnissen führen kann.

Lichtstimmungen richtig wählen

Keine Tageszeit hinzufügen

Die Lichtstimmung in den Szenenüberschriften sind keine inhaltliche Beschreibung der Tageszeit, sondern eine faktische Angabe vor allem für Kamera- und Lichtabteilung, auf welche Drehsituation sie sich technisch vorbereiten müssen. Unabhängig von den Vorschlägen, die marktgängige Drehbuchprogramme machen, solltest Du deshalb auf detaillierte Angaben wie „INT/Mittag“ oder „EXT/späterer Nachmittag“ verzichten – wenn notwendig können solche Tageszeiten in den Regieanweisungen genannt werden.

Auf technische Auswirkungen beschränken

Stattdessen solltest Du Dich auf die Lichtstimmungen beschränken, die technische Auswirkungen auf den Drehablauf haben: Das sind ausschließlich Tag- und Nachtstimmung sowie Dämmerungssituationen, die entweder als Originaldämmerung oder als bei Tag gedrehte Mischlichtsituationen umgesetzt werden. Alle anderen Lichtstimmungen kannst Du getrost ignorieren.

Motive einheitlich benennen

Missverständnisse vermeiden

Das Drehteam nimmt alles, was in Deinem Drehbuch steht, erst einmal wörtlich. Deshalb solltest Du Motive einheitlich benennen. Wenn in einer Szenenüberschrift einmal „Haus Familie“ und bei einem anderen Bild „Wohnhaus“ steht, kann das zu dem Missverständnis führen, dass Du zwei unterschiedliche Häuser meinst. Auch bei der Benennung einzelner Räume solltest Du konsistent vorgehen.

Effizient differenzieren

Hast Du einmal damit begonnen, die Räume innerhalb eines Motivs auszudifferenzieren („Haus Familie / Wohnzimmer“), dann solltest Du das über das ganze Drehbuch hinweg durchhalten. Bitte beachte aber, dass eine Szenenüberschrift kein Ort für prosaische Beschreibungen ist. Mit einem „großbürgerliches Wohnhaus am Stadtrand“ kann in einer Szenenüberschrift niemand etwas anfangen.

Einheitliche Figurennamen

Figuren von Anfang an benennen

Genau wie Motive sollten auch Figuren über das Drehbuch hinweg einheitlich benannt sein. Manchmal haben Autoren die Angewohnheit, eine Figur, die noch nicht eingeführt ist, zunächst als „Frau“ zu bezeichnen, um sie dann später in „Frau Meier“ umzubenennen, wenn der Zuschauer mehr über sie weiß. Klar, es mag aus dem Kontext hervorgehen, dass es sich um ein und dieselbe Person handelt.

Nicht auf Eigennamen verzichten

Trotzdem hilft es Irritationen zu vermeiden, wenn die Figur durch die Benennung von vornherein eindeutig identifizierbar ist. Übrigens: Es bietet sich auch an, Figuren wie „Mann 2“ oder „Polizistin 3“ einen Eigennamen zuzugestehen, anstatt sie zu namenlosen Funktionsträgern zu degradieren.

Auf Prosa verzichten

Blumige Sprache vermeiden

Na klar, bevor das Drehbuch verfilmt wird, muss es erst einmal verkauft werden. Und ja, es soll sich unterhaltsam und spannend lesen und Bilder hervorrufen. Manche Autoren versuchen, diesen Effekt durch den Einsatz einer blumigen Sprache zu verstärken und dadurch die Verkaufbarkeit zu erhöhen. Solche „Drehbuchprosa“ mag für den Abnahmeprozess hilfreich sein, für die Umsetzung ist sie es nicht – im Gegenteil. Ein Drehbuch ist die textliche Grundlage für die Dreharbeiten und damit für die interpretatorische Arbeit der Regie. Dies geschieht in Form von faktischen Regieanweisungen und Dialogen.

Regie der Regie überlassen

Es ist nicht Aufgabe des Drehbuchs, der Regie die Interpretation abzunehmen, insbesondere nicht in Bezug auf Emotionen: Ein „verlegen-trauriges aber gleichzeitig dankbares Lächeln, das dem Zuschauer das Herz bricht“ kann kein Regisseur dieser Welt inszenieren. Wenn Du solche Prosa in Deinem Drehbuch verwendest, kann es Dir passieren, dass die entsprechenden Regieanweisungen herausgestrichen werden, bevor die Dreharbeiten überhaupt beginnen.

Vorsicht vor Drehbuchlogik

Funktioniert es alles im Film?

Der Bankräuber überquert mit einer Pistole in der Hand die Straße und geht auf die Filiale zu. Schwungvoll stößt er die Tür auf und ... Das ist der Auftakt für Deinen Banküberfall? Super! Aber hast Du Dir auch Gedanken darüber gemacht, warum der Bankräuber die Pistole in der Hand hält, wenn er über die Straße geht? Wahrscheinlich hast Du die Waffe erwähnt, um zu zeigen, dass der Mann gefährlich ist, und um Spannung aufzubauen. Aber würde es aus der Figur heraus nicht eher Sinn machen, die Pistole versteckt zu halten und erst dann hervorzuholen, wenn er die Tür öffnet, um sich nicht schon vorher zu verraten?

Psychologische Schlüssigkeit sicherstellen

Solche Drehbuchsituationen können für die Regie sehr unangenehm sein. Im Buch mag man darüber hinweglesen, bei der Inszenierung muss der Regisseur aber für den Schauspieler eine psychologisch schlüssige Lösung finden, die Waffe zu plausibilisieren. Gerade bei Informationen, die nur aus dramaturgischen Gründen im Drehbuch stehen, kann das kompliziert sein. Aus diesem Grund solltest Du Dein Script immer daraufhin überprüfen, ob das, was geschrieben auf dem Papier funktionieren mag, auch inszenatorisch logisch und schlüssig ist.

Nur sichtbare Dinge beschreiben

Abwesenheit lässt sich schlecht filmen

Film ist ein träges Medium, insbesondere im Vergleich zu Text. Ein Bild kann im Unterschied zu Sprache nur Dinge zeigen, die auch wirklich zu sehen sind. Du solltest deshalb im Drehbuch darauf verzichten, die Abwesenheit einer Figur oder eines Requisits zu erwähnen.

Unelegante inszenatorischen Lösungen vermeiden

Regieanweisungen wie „Herr Meier ist nicht zu sehen“ oder „Das Buch ist weg“ können nur über inszenatorische Hilfskonstruktionen sichtbar gemacht werden, etwas in dem Herr Meier zunächst zu sehen ist, um dann nach einem Schnitt verschwunden zu sein, oder indem eine Figur gezeigt wird, die etwas sucht und dabei einen Satz sagt wie „Wo ist das Buch?“. Da solche inszenatorischen Lösungen in den wenigsten Fällen elegant sind, solltest Du sie der Regie ersparen und Dir von vornherein andere Drehbuchlösungen einfallen lassen.

Anwesende Figuren immer nennen

Klarheit schaffen, welche Figuren zu sehen sind

Wenn Figuren in einer Szene anwesend sind, dort aber keine weitere Funktion haben, vergessen Drehbuchautoren manchmal, sie zu nennen. Insbesondere bei Ensemblefilmen. Hat eine Figur aber weder Dialog noch wird sie in den Regieanweisungen genannt, kann es passieren, dass die Regie bei ihrer Interpretation davon ausgeht, dass es einen Grund für ihre Abwesenheit in der Szene gibt.

Ungenauigkeit schafft Missverständnisse

Oder schlimmer: Die Regie geht davon aus, dass die Figur anwesend ist, die Rolle wird aber vom Regieassistenten in den Auszügen vergessen. Indem Du sicherstellst, dass alle Figuren auch erwähnt werden, wenn sie anwesend sein sollen, hilfst Du dabei, solche Missverständnisse zu vermeiden.

Bei Serien: Einheitliche Episoden- und Szenennummern

Zusammenarbeit ermöglichen

Bei Reihen und Serien arbeiten häufig verschiedene Autoren unabhängig voneinander an einzelnen Episoden, manchmal über mehrere Staffeln hinweg; die Bücher hingegen werden vom selben Drehteam umgesetzt.

Konsistent bleiben

Während das Format der Episoden- und Szenennummerierung in den meisten Fällen egal ist, sollte es dennoch für alle Folgen einheitlich sein. Bevor Du Dich also an die Arbeit machst, bietet es sich an, bei der Produktion nachzufragen oder Dich mit Deinen Autorenkollegen auf eine einheitliche Schreibweise zu verständigen.

Änderungsseiten

Änderungen bedeuten Zeitverlust

Oft werden im Produktionsprozess noch einmal Änderungen am Drehbuch notwendig. Diese werden in Form von farbigen Änderungsseiten ans Team verteilt. Nur die Drehbuchseiten, auf denen es tatsächlich Textänderungen gibt, werden ausgetauscht. Um diese von den bereits vorliegenden Drehbuchseiten abzuheben, werden sie auf farbigem Papier gedruckt, wobei jede Fassung eine eigene Farbe bekommt. Solche Drehbuchänderungen stellen für das Team einen Zeitverlust dar, da jeder Mitarbeiter sie im Hinblick auf seinen Arbeitsbereich durcharbeiten muss.

Änderungen klar auszeichnen

Du kannst dem Team jedoch die Arbeit erleichtern, wenn Du bei der Erstellung der Seiten zwei Dinge beachtest: Zum einen sollten alle Änderungen im Text markiert sein, zum anderen solltest Du eine formlose Übersicht mitliefern, welche Art Änderung es in welcher Szene gibt. Der Oberbeleuchter etwa interessiert sich wenig für Dialogänderungen, der Schauspieler kaum für veränderte Lichtstimmungen. Mit einer solchen Auflistung ersparst Du es dem Team, jede Szene einzeln daraufhin zu überprüfen, ob Deine Änderungen ihren Arbeitsbereich betreffen oder nicht.